Geschmackssache

Man hat ihn oder man hat nicht, den guten Geschmack. Sicher.
Man weiß, was einem gefällt und was nicht, meistens.

Aber ein paar Jahre bewusster Geschmacksbildung bedarf es schon, um Dekoratives vom ausgewählten Einzelstück oder gar von künstlerischer Meisterschaft unterscheiden zu können, das gilt für Wein sowie für jede andere Art menschlicher Verfeinerung. Wenn man sich aber nicht aus beruflichen Gründen mit Wein beschäftigt, soll er vor allem eines: Spaß machen! Sei es, man trinkt ihn, sei es, man liest über ihn oder besucht ein Weingut und taucht in seine Geschichte ein.

Natürlich lebe ich Wein, trotz aller Passion begreife ich meine Aufgabe nicht als die einer Weinmissionarin. Natürlich sollte sich ein Sommelier darauf verstehen, wie sich welcher Wein zu welcher Speise verhält, sollte kompetent beraten, wenn es um Rebsorten, Ausbauarten etc. geht. Sicher ist dieses Wissen unverzichtbar und es dient als Mittel zum Zweck, um etwas viel Wichtigeres einschätzen zu können, nämlich welcher Wein zu welchem Menschen und zu welchem Anlass passt.

Was hat ein Gast, ein Kunde davon, wenn wir dem Verstehen des Wesentlichen das Erfassen des Überflüssigen vorziehen? Die eigene Geschmacksbildung reicht für den Sommelier nicht aus.
Das gilt auch und insbesondere für das Vokabular von Weinbeschreibungen, welches für uns enorm wichtig ist und seine Gültigkeit hat, nicht aber für meinen Gegenüber, dem der Wein schließlich schmecken soll – und der ihn auch bezahlt. Ich möchte vor allem die oft nur gefühlten, vielfach unbewussten Vorlieben eines Menschen treffen.

Den erfahrenen Weintrinker gelegentlich verblüffen und dem Einsteiger das schier unerschöpfliche Geschmacksuniversum unterschiedlicher Weine und Rebsorten nahe bringen, noch unbekannte Weingüter entdecken, die vom Marketing nicht viel, dafür aber umso mehr vom Weinmachen verstehen.

Wenn mir das gelingt, habe ich meinen Job gut gemacht!

Auf Ihr Wohl!